Mit dem Beginn des Referendariats treten die Nachwuchsjuristen in die zweijährige Praxisphase nach ihrem Ersten Staatsexamen ein. In den kommenden Monaten werden sie die tägliche Arbeit der ordentlichen Gerichtsbarkeit kennenlernen und hierbei bereits aktiv mitarbeiten. Nach einem etwa dreiwöchigen Einführungskurs werden sie in der fünfmonatigen Zivilstation erfahrenen Richterinnen und Richtern des Landgerichts sowie der umliegenden Amtsgerichte zugeteilt. Dort erlernen sie die praktische Fallbearbeitung, entwerfen Urteilsvorschläge und nehmen unter Anleitung an mündlichen Verhandlungen teil. Erstmals erhalten Sie hier die Möglichkeit, ihre im Studium erworbenen Kenntnisse in der Praxis umzusetzen, wobei sie bereits unter Aufsicht Teile einer Zivilverhandlung leiten können. Die Bandbreite der Fälle, mit denen sie bereits in dieser frühen Ausbildungsphase konfrontiert werden, spiegelt unsere Gesellschaft wider und reicht von alltäglichen Nachbarschaftsstreitigkeiten über Datenschutzverstöße im Internet bis hin zu Schadensersatzprozessen gegen Großkonzerne.
Die Präsidentin des Landgerichts Baden-Baden Nicole Helms hieß die neuen Referendare am Landgericht Baden-Baden willkommen: „Mit dem Referendariat beginnt ein besonders praxisnaher Abschnitt der juristischen Ausbildung. Bei uns erhalten die Referendarinnen und Referendare unmittelbaren Einblick in die Abläufe der Justiz und erleben, wie aus dem im Studium erworbenen Wissen praktische juristische Arbeit wird. Ich wünsche ihnen, dass sie diese Möglichkeiten mit Neugier und Offenheit nutzen und viele wertvolle Erfahrungen und Impulse für ihren weiteren beruflichen Weg mitnehmen.“
Nach der ersten Station am Gericht führt der Weg die Referendare im Laufe der zwei Jahre weiter zur Staatsanwaltschaft, die sie in den Strafverhandlungen bereits eigenständig im sog. Sitzungsdienst vertreten, hierbei die Anklage verlesen, plädieren und Anträge stellen. Darüber hinaus begleiten sie die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und entwerfen Verfügungen und Anklagen.
Weitere Stationen folgen bei einer Verwaltungsbehörde oder einem Verwaltungsgericht sowie in Rechtsanwaltskanzleien, bevor der Vorbereitungsdienst mit dem Zweiten Juristischen Staatsexamen abschließt. Dieses qualifiziert sie schließlich für die Berufe als Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt oder auch Notar.
Nach vollständiger Einführung der elektronischen Akte in Zivil- und Strafverfahren arbeitet die neue Generation von Nachwuchsjuristen von Beginn an mit der elektronischen Gerichtsakte (sog. eAkte) und lernt so den modernen digitalisierten Justizalltag kennen.
Geleitet wird die Ausbildung der Referendarinnen und Referendare am Landgericht Baden-Baden durch Herrn Vorsitzenden Richter am Landgericht Peter Lauster. Die Einführung in die berufliche Praxis wird durch wöchentlich stattfindende Unterrichtseinheiten, den sog. Arbeitsgemeinschaften, ergänzt.
Einstellungen in den juristischen Vorbereitungsdienst werden in der Regel zweimal im Jahr, zum 01.04. und zum 01.10. eines Jahres, vorgenommen.